Vom 17. bis 20. September 2015 fanden für das Team Suisse die zweiten Para Games nach 2013 in Breda (NL) statt. Die Para Games wiederholen sich alle zwei Jahre.

Da sich die Schweizer Formation nun doch schon seit ca. zwei Jahren regelmässig in Erlen trifft, um auf dem Grossfeld zu trainieren, ging man durchaus mit positiven Gefühlen ins Turnier. Das erklärte Ziel – wenn es dieses dann überhaupt so gab – war, dass man sich sicher vor den Deutschen und evtl. den Belgiern platzieren kann. 

Das Team bestand aus einem Grossteil der Zürcher des Rollstuhlclubs Zürich, doch auch die Thurgauer waren stark vertreten. Namentlich bedeutet dies: Stefan Bill, Jan Gähwiler, Stefano Costa, Moritz Schütz, Benjamin Scheiwiller, Kevin Impric, Gabriel Haupt (alle RCZ), Fabienne Ernst, Fabio Rosa, Markus Böni und Remo Truniger (alle Thurgau).

Der erste Turniertag begann für die Schweizer mit einem Knaller gegen Schweden. Schweden war Titelverteidiger und gleichzeitig auch wieder Kronfavorit auf den diesjährigen Titel, da das Team aus Skandinavien im Moment das Mass aller Dinge ist.

Für die Schweizer hiess dass, realistisch betrachtet, das erste Spiel mit Ruhe anzugehen, sich an den Rhythmus zu gewöhnen und hinten kompakt zu stehen. Da man sich im Team Suisse von Beginn zum Ende eines Turnieres bisher immer steigern konnte, war dieses Spiel nicht unbedingt ein ungünstiges Startspiel. Wie gedacht, ging es dann auch leider mit 9:0 zugunsten der Blau-Gelben aus. Im Schweizer Team liess man sich aber nicht entmutigen und wusste, wenn man die Chancen in den nächsten Spielen packt, liegt etwas drin. 

Das nächste Spiel war gegen das Land mit dem Ahornblatt aus Übersee. Es war schwierig, das Team einzuschätzen. Am letzten Turnier hatte dieses ein zweifacher Paralympics-Sieger vom Rollstuhlbasketball in der Aufstellung.

Demzufolge umkurvte er seine Gegner ohne grosse Mühe und stürzte diese so im Alleingang in eine hohe Niederlage. Dieses Jahr war er jedoch nicht dabei. Somit lag Kanada durchaus in Reichweite. Das Team mit dem Kreuz auf der Flagge zog schnell mit 5:0 davon. Es hätte zu diesem Zeitpunkt auch eine Führung mit einer sechs Tore Differenz sein können. Da ein Tor des Schweizer Topscorers Jan aber fälschlicherweise aberkannt wurde, weil der Schiedsrichter die Regeln nicht kannte und noch „in Ausbildung“ war, blieb es vorläufig bei den fünf Toren. Kanada kam zum 5:1 Anschlusstreffer doch das Team der Eidgenossen blieb weiterhin konzentriert und wurde nicht nervös. Das Endresultat lautete 8:2 zugunsten der Schweizer.

Mit grosser Verspätung im Spielplan stand dann noch das dritte und letzte Spiel gegen den Neuling aus Frankreich an. Die Gefahr bestand, dass einige aus dem Team die Neulinge unterschätzten. Dies merkte man prompt in der Anfangsphase. Es war ein harziger Start mit guten Möglichkeiten für die Franzosen. Diese konnten die Partie ziemlich lange ausgeglichen gestalten. Als jedoch das erste Tor für das kleinere der beiden Nachbarländer fiel, platzte der Knoten und man hatte das Spiel im Griff. Schliesslich resultierte ein klarer 9:0-Sieg und man konnte mit guten Gefühlen an den nächsten Tag denken. 

 

So sorgenfrei wie gehofft verlief dann der Abend aber leider doch nicht. Markus litt an einer Magenverstimmung und musste den zweiten Turniertag als Zuschauer verfolgen. Demzufolge wurden die zwei Blöcke im Vergleich zum ersten Tag ein wenig umgestellt. Es ging um viel im ersten Spiel gegen Deutschland, wenn man das anfangs formulierte Ziel auch verwirklichen wollte. Ein hart umkämpftes Spiel entwickelte sich mit Chancen auf beiden Seiten. Schliesslich sorgte Jan – wie schon so oft – für die erlösenden zwei Tore in den Schlussminuten und man konnte auch dieses Spiel gewinnen. Gerne hätte man sich ein etwas komfortablerer Sieg gewünscht, dennoch: Sieg ist Sieg.

Die Holländer, welche neben den Schweden und den Tschechen zu den Top drei gehören, waren die nächsten Gegner. In den ersten Jahren, in denen die Schweiz erste internationale Erfahrungen sammeln konnte, war man noch chancenlos und wurde stets mit zweistelligen Resultaten vom Feld gefegt.

Doch zurück in die Gegenwart. Wir wussten, dass man kompakt stehen muss und wir nur selten in die Offensive gehen können. Dies war dann auch so. Man konnte das 0:0 bis nach der Pause halten und konnte die Angriffe relativ gut in Schach halten. Die Offensive der Schweizer war aber leider nicht sehr durchschlagkräftig. Am Schluss ging man beim Handshake mit einer 4:0-Niederlage vom Platz. Wir konnten aber trotz der Niederlage von einer guten Partie sprechen und den Holländern doch schon ziemlich Paroli bieten.

Der nächste Sieg liess nicht lange auf sich warten. Im Spiel gegen das Nachbarland der Holländer, die Belgier, besiegte man diese 2:1. Es sah aber lange nicht sehr gut aus, man lag bald 1:0 in Rückstand und die Schweizer bissen sich an der massierten belgischen Mauer die Zähne aus. In den Schlussminuten konnte das Spiel dennoch gewonnen werden.

 

Am dritten und zweitletzten Spieltag spielten die Schweizer gegen die Tschechen. Da man schon im Halbfinale stand, konnte dieses Spiel ohne Druck angegangen werden. Trotzdem wollte man natürlich noch einmal alles geben. Man geriet schnell 3:0 in Rückstand, hatte aber die Taktik und die Spielweise vom tschechischen Team durchschaut und relativ gut im Griff. Zwischenzeitlich konnte man den Anschlusstreffer zum 3:1 erzielen und hatte auch sonst gute Chancen. Als die Schlusssirene ertönte, waren es trotzdem die Tschechen, die über ein 4:1 jubeln konnten. Das Gezeigte auf dem Platz war aber vom ganzen Team sehr stark.

Wie schon angetönt, stand eine knappe Stunde später das Halbfinale an. Wieder ging es gegen die Schweden. In den Halbfinal-, Final- und Platzierungsspielen werden drei Drittel à 20 Minuten gespielt, also eine halbe Stunde länger als in den Gruppenspielen und so lange wie ein „normales“ Unihockeyspiel.

Nüchtern gesehen war uns bewusst, dass wir keine Chance gegen die Schweden hatten. Man hat das Ziel aber mit dem Erreichen des Halbfinals ganz klar erreicht, wenn nicht sogar übertroffen. Das Spiel ging 13:0 verloren. 

Am letzten Spieltag begegneten wir nochmals den Tschechen im Spiel um Platz 3. Diese haben ihren Halbfinal auch klar und deutlich gegen Holland verloren. Die Motivation der Schweizer war sehr gross. Uns war bewusst, wir können diese Tschechen durchaus ärgern, wenn alles perfekt zusammenspielt. Dies hat auch die doch relativ knappe Gruppenspielniederlage gezeigt. 

Schnell wurde man aber von der Realität auf den Boden geholt. Durch ein frühes, nicht zwingendes Tor lag man gleich zu Beginn im Rückstand. So ging es weiter. Man verlor das Spiel 12:2. Dies hatte sicher auch mit der längeren Spielzeit zu tun und mit dem Abschlussglück des Gegners. Bei den Tschechen fiel fast jeder Schuss ins Netz, dies funktionierte bei den Schweizern leider nicht.

Am Ende des Spiels waren wir doch ein wenig enttäuscht. Man erhoffte sich zumindest, dass man ein knapperes Resultat nach Hause bringen könnte. Die Stimmung in der Halle mit den vielen Zuschauern und mit dem Wissen im Kopf, dass dies das letzte Spiel des insgesamt grossartigen Turniers – auf wie neben dem Platz – war, löste grosse Emotionen aus. 

Abschliessend kann das Schweizer Team mit dem Geleisteten sehr zufrieden sein. Die Lücke zu den Top drei Teams wurde mehr oder weniger erfolgreich geschlossen. Natürlich fehlt dann noch das eine oder andere Stück um diese Nationen richtig ärgern zu können, dennoch trägt das regelmässige Grossfeldtraining Früchte und es sind alle sehr motiviert, so weiter zu gehen. Speziell muss man den Teamgeist untereinander hervorheben – vielleicht war er aus dieser Sicht sogar das beste Turnier.

Text: Benjamin Scheiwiller, Gabriel Haupt